Unsere ersten 5 Weingüter: Diese Bodegas bringen wir nach Deutschland
Seit Monaten reisen wir über die Insel, probieren Weine, sitzen mit Winzern am Tisch und suchen nach den Bodegas, die wir euch in unserem Shop vorstellen wollen. Unsere Kriterien waren von Anfang an klar: keine Massenproduktion, keine austauschbaren Industrieweine, sondern Weingüter mit Charakter, Geschichte und einer Handschrift, die man im Glas schmeckt.
Heute verraten wir euch die ersten fünf. Es sind fünf Bodegas, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die zusammen zeigen, wie vielfältig Mallorca-Wein heute ist: von der historischen Stein-Bodega im Herzen von Binissalem bis bis zum biodynamischen Weingut in Porreres.
Son Puig — Klassik im Tal von Puigpunyent
Fährt man von Palma in Richtung des am Fuß der Tramuntana gelegenen Dörfchens Puigpunyent, fällt dem aufmerksamen Beobachter auf, dass das Tal mit jedem Kilometer grüner wird. Ein Hinweis auf die zunehmende Feuchtigkeit, die diesen Ort so besonders macht. Für den Weinbau bedeutet das zweierlei: Die Weine bekommen eine frische Fruchtigkeit und einen guten Säuregehalt, gleichzeitig muss bei den Reben besonders auf Pilzbefall geachtet werden.
Etwa einen Kilometer vor dem Ort thront auf einem Hügel ein kastellartiger Herrschaftsbau, zu dem ein schmaler Weg führt. Son Puig heißt dieses bei näherem Hinsehen verträumt wirkende Anwesen mit einem Verteidigungsturm aus dem 12. Jahrhundert, einem Garten mit moosbewachsenen Skulpturen und einem durch ein großes Tor und hohe Mauern geschützten Innenhof.
Isabel Alabern de Armenteras führt das nur acht Hektar große Weingut, dessen kühle Weinlagen im Durchschnitt zwei Wochen später als die Weinberge um Binissalem zur Traubenreife gelangen. Die Familie kaufte die Finca mit dem Castell 1926 als Freizeitsitz. Isabels Vater hat jahrelang für ein Forschungsprojekt den Weinbau auf Mallorca untersucht und kennt die Weinberge der Insel wie seine Westentasche. Ihren ersten Wein füllte die Familie erst nach seiner Pensionierung im Jahr 2004 ab. Isabel selbst sattelte vom Journalismus um und studierte Agraringenieurwesen.
Die moderne Bodega wurde so in das Anwesen integriert, dass sie von außen nicht zu sehen ist. Weiße wie rote, mallorquinische wie internationale Sorten wurden gepflanzt — Prensal Blanc, Giró Ros, Callet neben Chardonnay, Sauvignon Blanc, Malvasía, Merlot, Cabernet Sauvignon und Tempranillo. Die Weine werden unter der Indicación Geográfica Protegida Mallorca vermarktet und entsprechen eher dem traditionellen spanischen Stil mit Betonung von würzigen Reifearomen.
Was uns überzeugt hat: Son Puig ist das einzige Weingut in diesem Tal — eine Alleinstellung, die man schmeckt. Die kühlen Höhenlagen und die Feuchtigkeit der Tramuntana verleihen den Weinen eine Frische und Eleganz, die man bei anderen mallorquinischen Weinen selten findet. Dazu kommt ein Anwesen, das allein schon den Besuch wert ist.
Unsere Weinempfehlung: Der „Blanc" ein kräftiger, goldener Weißwein, bei dem Jahrgänge verschnitten werden und der neben Birne und Quitte auch nach geröstetem Mehl duftet. Und der „Gran" bei den Roten zimtiges, fleischiges Aroma mit feiner Säure.
Besuche: Nach vorheriger Anmeldung, verschiedene Besuchsprogramme möglich. Nur 15 Minuten von Palma entfernt.

Vins Nadal — Tradition in Stein
Mitten im Ortskern von Binissalem, im Carrer de Ramon Llull, liegt eine der stimmungsvollsten Bodegas der Insel. Wer durch das Tor von Vins Nadal tritt, betritt eine andere Welt: ein malerischer Innenhof, umgeben von historischen Steinmauern aus dem typischen rotbraunen Binissalem-Stein, Weinfässer im Schatten alter Bäume, und eine Ruhe, die vom Trubel der Hauptstraße nichts ahnen lässt.
Vins Nadal ist eines der Weingüter, bei denen man die Geschichte der Region buchstäblich an den Mauern ablesen kann. Die Familie Nadal bewirtschaftet ihre Weinberge in der D.O. Binissalem seit Generationen und hat sich dabei eine Philosophie bewahrt, die im Zeitalter der Optimierung selten geworden ist: Wein machen, wie er hier schon immer gemacht wurde — mit Respekt vor dem Boden, den Rebsorten und dem Rhythmus der Jahreszeiten.
Die Rebflächen liegen auf dem kalkhaltigen Boden, der für die D.O. Binissalem typisch ist, und sind mit den klassischen Sorten der Region bestockt: Manto Negro und Callet für die Rotweine, Prensal Blanc für die Weißen. Das Sortiment reicht von fruchtigen, zugänglichen Jóvenes bis zu fassgereiften Reservas, die zeigen, was Manto Negro auf Binissalemer Kalkstein alles kann.
Was uns überzeugt hat: Vins Nadal ist Binissalem pur. Kein Marketing-Glamour, keine Design-Etiketten — einfach ehrliche, handwerklich gemachte Weine, die nach ihrem Herkunftsort schmecken. Die historische Bodega ist dazu ein Ort, an dem man sofort versteht, warum Binissalem das Weinherz Mallorcas ist.
Unsere Weinempfehlung: Der Reserva aus Manto Negro mit Cabernet — samtig, würzig und mit einer Reife, die zeigt, was Zeit und Kalkstein aus einer Traube machen können.
Besuche: Im Ortskern von Binissalem, Verkostungen und Führungen nach Anmeldung.

Sa Cabana — Wo mallorquinische Tradition neue Wurzeln schlägt
An der Straße zwischen Sencelles und Santa Maria, vor der Kulisse des Tramuntana-Gebirges, liegt Sa Cabana ist ein altes Landgut der Familie Codolá Bonet, das historisch eng mit der Landwirtschaft der Insel verbunden ist. Wie so viele traditionelle Fincas auf Mallorca beherbergte Sa Cabana einst eine bunte Mischung aus Orangen- und Zitronenbäumen, Oliven, Mandeln, Johannisbrotbäumen und Getreide. Die Familie betrieb sogar eine kleine Molkerei. Doch die Weinreben, die hier schon seit langer Zeit standen, sollten zum neuen Mittelpunkt werden.
Heute ist Sa Cabana ein Weinbauprojekt, das die Tradition der alten mallorquinischen Kellereien mit önologischer Innovation verbindet. Die Weinkellerei erzeugt Wein ausschließlich aus eigenen Trauben, handgelesen, in 12-Kilogramm-Kisten transportiert und mindestens zwölf Stunden in Kühlkammern gelagert, bevor sie zur Gärung kommen. Diese Sorgfalt bei der Verarbeitung schmeckt man im Glas.
Was Sa Cabana besonders spannend macht, ist das Engagement für autochthone Rebsorten. Neben den Klassikern Manto Negro und Prensal Blanc arbeitet die Familie mit einer neuen Giró-Ros-Pflanzung und hat bei Callet eine Feldarbeit durchgeführt, die es erlaubte, einen besonders interessanten Klon zu selektieren, mit einem einzigartigen Qualitätsprofil, das die Basis für zukünftige Weine bilden soll. Auch die seltene Sorte Escursac, eine wiederentdeckte autochthone Rebe, wird hier angebaut. Die gesamte Arbeit im Weinberg erfolgt mit ökologischen Methoden und dem klaren Ziel, die Biodiversität des Anwesens zu bewahren.
Was uns überzeugt hat: Sa Cabana steht für etwas, das auf Mallorca selten geworden ist: die Wiederentdeckung eines landwirtschaftlichen Erbes durch die nächste Generation. Die Kombination aus autochthonen Raritäten wie Escursac und Giró Ros, ökologischem Anbau und einer tiefen Verbundenheit mit dem Boden macht die Weine einzigartig. Für die Familie Codolá Bonet ist Sa Cabana mehr als ein Weingut. Es ist die Wiederbelebung einer Tradition, die einst jede mallorquinische Familie vereinte, als fast jedes Haus seinen eigenen Keller hatte.
Unsere Weinempfehlung: Die Weine aus Manto Negro und Callet zeigen den authentischen Charakter der D.O. Binissalem, und wir sind besonders gespannt auf die kommenden Abfüllungen aus dem selektierten Callet-Klon.
Besuche: Sa Cabana bietet Spaziergänge durch die Weinberge mit Blick auf die Tramuntana, Verkostungen mit lokalen Produkten und Menüs mit hauseigenen Weinen. Die Räumlichkeiten können auch für private Veranstaltungen gemietet werden.

Miquel Gelabert — Der Tüftler mit 30 Rebsorten
Wer hinter dem weit über die Grenzen Spaniens hinaus bekannten und hoch angesehenen Miquel Gelabert ein großes Weingut vermutet, wird leicht an dem kleinen Tor in einer Seitenstraße von Manacor vorbeifahren, hinter dem sich die Bodega der Familie verbirgt. Doch schließlich steht man in einem mit unzähligen Prämierungen an den Wänden und Weinutensilien dekorierten kleinen Empfangsraum, der genauso eigenwillig und ungewöhnlich ist wie der sympathische, charaktervolle und meinungsstarke Kerl, der darin werkelt und der auf der ganzen Insel bekannt ist.
Miquel Gelabert ist eines der Urgesteine des modernen mallorquinischen Weinbaus. Als er 1985 — damals noch Restaurantkoch — seinen ersten Wein herstellte, gab es sieben Bodegas auf der ganzen Insel. Es waren noch keine Qualitätsweingebiete und noch keine regionalen Anbau- und Produktionsregeln vorhanden. Mit wenigen Kollegen machte er sich daran, den darniederliegenden Weinbau auf der Insel wieder aufzupäppeln.
Was Miquel besonders macht, ist seine grenzenlose Neugier. Auf insgesamt 11 Hektar Rebfläche pflanzt er rund 30 verschiedene Rebsorten an. Autochthone wie internationale, rote wie weiße. Er beherrscht den Ausbau internationaler Rebsorten ebenso wie den der autochthonen, versteht es, ungewöhnliche Süßweine auf die Flasche zu bringen und profitiert seit einigen Jahren von der Schaumweinerfahrung seines Sohnes. 24 verschiedene Weine produziert er, alle mit Charakter.
Die Veränderungen der letzten Jahrzehnte mit vielen Neupflanzungen und einer Vielzahl neuer Bodegas sieht Miquel nicht nur positiv. Er kann mit seiner Erfahrung die Geschichte des Weinbaus, die Entwicklung der vergangenen 35 Jahre und die aktuellen Entwicklungen unter Berücksichtigung des Klimawandels besser beurteilen als viele andere.
Was uns überzeugt hat: Miquel Gelabert ist lebende Weingeschichte. Seine Experimentierfreude, seine Ehrlichkeit und die schiere Vielfalt seines Sortiments machen jede Verkostung zum Abenteuer. Hier kaufst du nicht einfach Wein, du kaufst das Lebenswerk eines Mannes, der den mallorquinischen Weinbau mitaufgebaut hat.
Unsere Weinempfehlung: Die Chardonnays und Schaumweine sind besonders empfehlenswert, ebenso wie Sa Caules, Colom de Penya und der Syrah Torrent Negre. Am besten: Hinfahren und alles probieren.
Besuche: Nach Voranmeldung in der Bodega in Manacor. Ein Besuch bei Miquel ist immer auch ein Gespräch. Nehmt euch Zeit.

Mesquida Mora, Biodynamie mit mallorquinischer Seele
Mesquida Mora gehört zu den Weingütern, die Mallorca in den letzten Jahren stilistisch neu geprägt haben. Im Mittelpunkt steht Barbara Mesquida, Winzerin in vierter Generation, geprägt von einer großen Familiengeschichte und gleichzeitig von dem Wunsch, Weinbau auf der Insel neu zu denken.
Seit den 1930er-Jahren arbeitet die Familie mit Wein. Doch Barbara entschied sich früh dafür, einen eigenen Weg einzuschlagen: weg von konventioneller Landwirtschaft, hin zu einem lebendigen, nachhaltigen Weinbau im Einklang mit Natur, Boden und Klima Mallorcas.
Heute werden die Weinberge biodynamisch bewirtschaftet, mit viel Handarbeit, großer Aufmerksamkeit für die natürlichen Kreisläufe und dem klaren Ziel, gesunde Böden an kommende Generationen weiterzugeben. Zwischen den Reben wachsen Pflanzen und Bäume, die das ökologische Gleichgewicht stärken und den Weinbergen neue Lebendigkeit verleihen. Besonders faszinierend ist dabei die Verbindung aus moderner Präzision und beinahe intuitivem Arbeiten. Bei Mesquida Mora wirkt Biodynamie nicht wie ein Trend oder Marketingbegriff, sondern wie eine sehr persönliche Haltung.
Im Fokus stehen vor allem mallorquinische Rebsorten wie Callet, Giró Ros oder Premsal. Barbara Mesquida arbeitet bewusst mit diesen oft empfindlicheren lokalen Varietäten, weil sie für sie die ehrlichsten Botschafter der Insel sind. Die Weine wirken entsprechend niemals laut oder überladen, sondern fein, lebendig und voller mediterraner Spannung. Viele ihrer Cuvées verbinden Frische, salzige Mineralität und subtile Würze mit einer erstaunlichen Eleganz.
Was uns überzeugt hat: Mesquida Mora verbindet kompromisslose Biodynamie mit großer Präzision und echter Persönlichkeit. Barbara Mesquida schafft Weine, die Mallorca modern interpretieren, ohne ihre Herkunft zu verlieren. Genau das macht sie heute zu einer der spannendsten Stimmen des modernen mallorquinischen Weinbaus.
Unsere Weinempfehlung: Für den Einstieg der Sincronia, den es als Weiß, Rosé und Rot gibt. Der Weiße kommt aus jungen Premsal- und alten Chardonnay-Reben und verbindet Frische mit einer salzigen Note. Wer tiefer einsteigen will, greift zum Acrollam Blanc, gemacht nur aus Premsal und Giró und ohne zugesetzte Sulfite. Bei den Roten lohnt sich der Sòtil aus alten Callet-Reben, die im Schutz von Aprikosenbäumen wachsen: leicht, zart und blumig, aber reich an Nuancen. Eine echte Rarität ist der Gorgollassa, eine zurückgewonnene Nischensorte, die nur in außergewöhnlichen Jahren sortenrein auf die Flasche kommt.
Besuche: Das Weingut liegt am Camí Pas des Frare in Porreres. Mesquida Mora bietet Weintourismus-Programme an und vermietet Übernachtungsmöglichkeiten zwischen den Weinbergen. Direkt am Weingut öffnet freitags bis sonntags von 17 bis 23 Uhr das Es Cub mit gastronomischen Angeboten, sonntags um 20 Uhr gibt es Jazzkonzerte. Termine und Reservierung über mesquidamora.com.

Fünf Bodegas, eine Philosophie
Was diese fünf Weingüter verbindet, ist keine Rebsorte und kein Weinbaustil, es ist eine Haltung. Sie alle stehen für handwerkliche Qualität statt Massenproduktion. Für Charakter statt Gefälligkeit. Für Weine, die nach einem Ort schmecken, nicht nach einem Rezept.
Von der kühlen Höhenlage am Fuß der Tramuntana (Son Puig) über das historische Weinherz der Insel (Vins Nadal, Sa Cabana) bis in den Süden und Osten der Insel (Miquel Gelabert, Mesquida Mora) zusammen bilden sie einen Querschnitt durch das Beste, was Mallorca weinbautechnisch zu bieten hat.
Und das ist erst der Anfang. In den nächsten Wochen stellen wir euch weitere Weingüter vor, die ab August 2026 in unserem Shop verfügbar sein werden. Insgesamt werden wir mit rund 15 handverlesenen Bodegas starten. Jede mit einer eigenen Geschichte und einem eigenen Charakter.
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Dieser Artikel ist Teil unserer Mallorca-Wein-Serie. Lies auch unseren Mallorca Wein Guide, den Artikel über Binissalem und unseren Guide zu den autochthonen Rebsorten Mallorcas.