Pla i Llevant: Mallorcas aufstrebende Weinregion im Osten
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Pla i Llevant: Mallorcas aufstrebende Weinregion im Osten

02. June 2026 Miguel Zirkenbach-Jasper

Wenn Binissalem das historische Weinherz Mallorcas ist, dann ist Pla i Llevant seine ungestüme, experimentierfreudige Seele. Die zweite offizielle Weinregion der Insel erstreckt sich über die zentrale Ebene und den Osten Mallorcas — ein weites, sonnendurchflutetes Land, in dem der Mittelmeerwind durch die Rebzeilen streicht und Winzer Weine von einer Eigenständigkeit keltern, die man auf der Insel lange nicht für möglich gehalten hätte.

Während Binissalem auf Tradition setzt und seine Regularien die autochthone Manto-Negro-Traube ins Zentrum stellen, bietet Pla i Llevant mehr Freiheit — und genau das macht die Region so spannend. Hier arbeiten Pioniere, Quereinsteiger und Visionäre. Hier entstehen Weine, die Mallorca neu definieren.

Die Region: Zwischen Ebene und Ostwind

Der Name verrät, was den Charakter der Region prägt: „Pla" bedeutet Ebene — die weite, flache Mitte der Insel — und „Llevant" ist der Name des Ostwinds, der vom Mittelmeer her weht. Beide Elemente formen die Weine auf fundamentale Weise.

Die D.O. Pla i Llevant wurde 1999 gegründet — neun Jahre nach Binissalem — und umfasst heute 18 Gemeinden mit insgesamt rund 450 Hektar Rebfläche. Die wichtigsten Orte sind Felanitx, Manacor, Porreres, Petra, Algaida und Sineu — allesamt Dörfer mit einer Weinbautradition, die in einigen Fällen bis in die Römerzeit zurückreicht.

Die Rebflächen liegen überwiegend unter 100 Metern über dem Meeresspiegel. Das Klima ist typisch mediterran: heiße, trockene Sommer mit Temperaturen, die regelmäßig über 35 °C klettern, milde Winter ohne Frostrisiko und — das ist der entscheidende Faktor — ein böiger, auflandiger Wind vom Mittelmeer, der die Weinberge in den heißen Sommermonaten täglich abkühlt. Dieser Llevant-Wind schützt die Trauben vor Hitzestress, bewahrt die Fruchtaromen und hält gleichzeitig Pilzkrankheiten in Schach.

Die Böden bestehen aus kalkhaltigem Gestein mit guter Durchlässigkeit — ideal für Rebwurzeln, die tief in den Untergrund greifen. In Kombination mit der Nähe zum Meer entsteht ein Terroir, das den Weinen eine eigenständige mineralische Note verleiht.

Was Pla i Llevant von Binissalem unterscheidet

Der wichtigste Unterschied liegt in der Freiheit. In der D.O. Binissalem müssen Rotweine mindestens 50 % Manto Negro enthalten, Weißweine mindestens 50 % Prensal Blanc. In Pla i Llevant gibt es diese Mindestanteile nicht. Die Winzer können frei entscheiden, welche der 19 zugelassenen Rebsorten sie in welchem Verhältnis verwenden — oder ob sie reinsortig arbeiten.

Das Ergebnis ist eine erstaunliche Vielfalt. Während man in Binissalem einen relativ einheitlichen Weinstil findet — elegant, Manto-Negro-geprägt, mineralisch — sind die Weine aus Pla i Llevant höchst unterschiedlich. Kräftige Callet-Cuvées stehen neben filigranen Naturweinen, international inspirierte Merlot-Cabernet-Blends neben reinsortigem Fogoneu, fassausgebauter Chardonnay neben frischem Giró Ros. Diese stilistische Bandbreite macht Pla i Llevant für viele Kenner zur aufregenderen der beiden D.O.-Regionen.

Hinzu kommt der Experimentiergeist. Während Binissalem seine Stärke aus der Tradition zieht, hat Pla i Llevant eine auffällige Offenheit für Neues: Biodynamischer Weinbau, Ausbau in Tonamphoren, Wiederbelebung vergessener Rebsorten, Naturweinproduktion — die Innovationen der mallorquinischen Weinwelt passieren überproportional oft in Pla i Llevant.

Die Rebsorten: Callet, Fogoneu und mehr Freiheit

Die Rebsortenpalette in Pla i Llevant ist breiter als in jeder anderen Weinregion der Insel:

Callet ist die Königin der Region und die Rebsorte, die Pla i Llevant international bekannt gemacht hat. Sie bringt tieffarbige, aromatisch komplexe Rotweine hervor — mit Noten von dunklen Beeren, schwarzem Pfeffer und mediterranen Kräutern. Im Gegensatz zu Manto Negro hat Callet mehr Körper, mehr Tannin und mehr Lagerpotenzial. Die besten Callet-Weine der Region gehören zu den aufregendsten Rotweinen, die Spanien heute produziert.

Fogoneu ist offiziell die meistangebaute rote Sorte der D.O. und eine der ältesten Trauben Mallorcas. Sie ergibt leichte, fruchtbetonte Weine mit hellem Farbton und wenig Tannin — ideal für trockene Rosés und leichte Sommerweine. In Cuvées bringt Fogoneu Frische und Trinkfluss.

Manto Negro wird auch in Pla i Llevant angebaut, hat aber nicht die dominante Rolle wie in Binissalem. Hier dient er eher als Cuvée-Partner, der Eleganz und Weichheit beisteuert.

Prensal Blanc ist die wichtigste weiße Sorte — frisch, aromatisch, mit Zitrusnoten und grünem Apfel. In Pla i Llevant wird sie oft etwas kräftiger und vollmundiger als in Binissalem, begünstigt durch die wärmeren Temperaturen.

Giró Ros gewinnt in der Region zunehmend an Bedeutung. Diese seltene weiße Sorte bringt florale, aromatisch tiefe Weißweine hervor und ist ein Zeichen für den Trend, autochthone Raritäten wiederzubeleben.

Daneben spielen internationale Sorten eine wichtige Rolle: Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Tempranillo, Chardonnay und sogar Viognier sind in der D.O. zugelassen und werden von vielen Winzern eingesetzt — als reinsortige Abfüllungen oder als Cuvée-Partner für die einheimischen Trauben.

Die Weingüter: Unsere Entdeckungen in Pla i Llevant

Mesquida Mora — Die biodynamische Pionierin

In Porreres, am südlichen Rand der D.O., liegt eines der bedeutendsten Weingüter nicht nur der Region, sondern ganz Mallorcas. Barbara Mesquida Mora hat sich mit ihrem biodynamischen Ansatz einen Namen gemacht, der weit über die Insel hinausreicht.

Was Mesquida Mora besonders macht, ist die radikale Konsequenz: Biodynamischer Anbau nach Demeter-Richtlinien, spontane Vergärung mit natürlichen Hefen, minimale Intervention im Keller. Die Weine sind naturbelassen, klar und von einer Klarheit, die man so selten findet. Ihr Callet-basierter „Sotil" gilt als einer der besten Naturweine Spaniens — schlank, seidig und mit einer Frische, die zeigt, wie elegant Callet sein kann, wenn man die Traube in Ruhe lässt.

In der Vinothek des charmanten Weinguts kann man die Weine direkt probieren, begleitet von Tapas aus lokalen Produkten. Ein Besuch bei Mesquida Mora ist mehr als eine Weinprobe — es ist eine Philosophiestunde.

Miquel Gelabert — Das Urgestein aus Manacor

Wer die Geschichte des modernen mallorquinischen Weinbaus verstehen will, muss Miquel Gelabert besuchen. Seit 1985 — als es auf der ganzen Insel nur sieben Bodegas gab — keltert der ehemalige Restaurantkoch in einer unscheinbaren Seitenstraße von Manacor Weine von bemerkenswerter Tiefe und Vielfalt.

Auf 11 Hektar Rebfläche pflanzt er rund 30 verschiedene Rebsorten an — eine Experimentierfreude, die ihresgleichen sucht. 24 verschiedene Weine produziert er, alle mit eigenem Charakter. Seine Chardonnays und Schaumweine gehören zu den besten der Insel, sein Sa Caules und der Syrah Torrent Negre sind Klassiker. Miquel ist ein Mann mit Meinung, mit Erfahrung und mit einer Neugier, die auch nach 40 Jahren nicht nachlässt.

Ses Talaioles — Wo uralte Geschichte auf moderne Kellertechnik trifft

Auf halbem Weg zwischen Manacor und Porto Cristo liegt eine der faszinierendsten Fincas Mallorcas. Die rund 100 Hektar große Finca der deutsch-niederländischen Familie de Waal beherbergt urzeitliche Siedlungsreste der Talayot-Kultur, einen mächtigen Wachturm aus dem 15. Jahrhundert — und eine hochmoderne Kellerei mit Stahltanks, Eichenfässern und Tonamphoren.

Auf 12 Hektar Rebfläche wachsen Cabernet Sauvignon, Merlot, Tempranillo, Syrah, Callet, Mantonegro und neuerdings Giró Ros. Der argentinische Kellermeister Federico Zaina holt aus den Trauben Weine von fruchtbetonter Reintönigkeit heraus — vom zugänglichen „Talvín" bis zum kraftvollen „Na Pujola". Der tägliche Mittelmeerwind, der über die Finca streicht, ist dabei ihr natürlicher Verbündeter.

Die Weinstraße: Pla i Llevant erkunden

Anders als in Binissalem, wo die Weingüter dicht beieinander liegen, verteilen sich die Bodegas von Pla i Llevant über ein weites Gebiet. Das macht eine Weintour hier eher zu einem Tagesausflug als zu einem Nachmittagsspaziergang — aber dafür zu einem besonders abwechslungsreichen.

Eine schöne Route führt von Porreres (Mesquida Mora) über Felanitx nach Manacor (Miquel Gelabert) und weiter in Richtung Porto Cristo (Ses Talaioles). Unterwegs durchquert man eine Landschaft aus Weinbergen, Mandelbäumen, Johannisbrotbäumen und kleinen Dörfern, in denen die Zeit langsamer vergeht als an der Küste.

In Manacor lohnt sich ein Abstecher in die Altstadt — der Ort ist nicht nur Heimat von Miquel Gelabert, sondern auch bekannt für seine Perlenmanufakturen und seinen lebhaften Montagsmarkt, einen der größten der Insel.

Felanitx, die inoffizielle Weinhauptstadt der Region, hat eine beeindruckende Barszene, in der lokale Weine ausgeschenkt werden. Und wer nach der Weinprobe eine Abkühlung braucht, hat es bis zu den Stränden der Ostküste nie weit.

Pla i Llevant vs. Binissalem: Welche Region passt zu dir?

Beide Regionen haben ihren Reiz — und die Wahl hängt von deinem Geschmack ab:

Du magst elegante, traditionelle Rotweine mit seidigen Tanninen und feiner Frucht? Dann greif zu einem Manto-Negro-Blend aus Binissalem.

Du suchst kräftige, vielschichtige Rotweine mit dunkler Frucht und Gewürznoten? Dann probiere einen Callet aus Pla i Llevant.

Du liebst Naturwein und biodynamische Philosophie? Pla i Llevant ist deine Region — Mesquida Mora ist die Adresse.

Du willst experimentieren und Neues entdecken? Die Vielfalt in Pla i Llevant — 30 Rebsorten bei einem einzigen Winzer — ist unschlagbar.

Du willst den authentischsten Mallorca-Geschmack? Dann probiere beides. In der Mischung aus Binissalem-Tradition und Pla-i-Llevant-Innovation liegt das Geheimnis des modernen mallorquinischen Weins.

Häufige Fragen zur D.O. Pla i Llevant

Was bedeutet D.O. Pla i Llevant? D.O. steht für Denominación de Origen — eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Pla i Llevant ist seit 1999 Mallorcas zweite D.O. und umfasst 18 Gemeinden in der zentralen Ebene und im Osten der Insel.

Wie viele Weingüter gehören zur D.O. Pla i Llevant? Aktuell sind 13 Bodegas und rund 70 Weinbauern in der D.O. registriert. Die Rebfläche beträgt etwa 450 Hektar.

Welche Rebsorten dominieren in Pla i Llevant? Fogoneu ist die meistangebaute rote Sorte, aber Callet hat die größte Aufmerksamkeit. Bei den Weißen dominiert Prensal Blanc, zunehmend ergänzt durch Giró Ros. Insgesamt sind 19 Rebsorten zugelassen — deutlich mehr als in Binissalem.

Was unterscheidet Pla i Llevant von Binissalem? Mehr Freiheit bei den Rebsorten (keine Mindestanteile), mehr stilistische Vielfalt, mehr Experimentiergeist. Die Weine sind tendenziell kräftiger und vielfältiger als die eleganten, Manto-Negro-dominierten Weine aus Binissalem.

Kann man Pla-i-Llevant-Weine online kaufen? Ja, über spezialisierte Online-Shops. Ab Juli 2026 findest du auch bei Gourmet Mallorca Weine von handverlesenen Weingütern aus der D.O. Pla i Llevant.

 


Dieser Artikel ist Teil unseres Mallorca-Wein-Guides. Lies auch unseren Artikel über Binissalem, den Mallorca Wein Guide und unsere Porträts der autochthonen Rebsorten.

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